Azubi-Suche ist keine Glückssache

Von links nach rechts: Lars Hellmers (Vorstand MaßArbeit), Magdalena Brosda (Servicestelle Schule-Wirtschaft), Landrat Dr. Michael Lübbersmann, Prof. Dr. Steinert (Hochschule Osnabrück), Siegfried Averhage (Geschäftsleiter Fachbereich Wirtschaft und Arbeit Landkreis Osnabrück), Susanne Steininger (Bereichsleitung Übergangsmanagement), Kerstin Hüls (Servicestelle Schule-Wirtschaft) Foto: MaßArbeit / Petra Ropers

Strategien zur Gewinnung von Auszubildenden zeigte die Fachtagung auf, die auf Initiative der Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit rund 180 Besucher ins Kreishaus lockte. 

Osnabrück. Der Fachkräftemangel ist längst kein Schlagwort mehr: In vielen Betrieben bleiben Stellen unbesetzt. Und die Fachkräfte von morgen stehen auch nicht mehr Schlange. Was ist zu tun, um Auszubildende zu gewinnen und dem Fachkräftemangel zu begegnen? Dieser Frage ging eine Fachtagung im Kreishaus auf den Grund.

Bereits zum zweiten Mal organisierte die Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit eine Tagung zum Thema und traf damit einen empfindlichen Nerv: „Die Fachkräftesicherung ist für die Wirtschaft zu einer entscheidenden Komponente und einer großen Herausforderung geworden“, skizzierte Landrat Dr. Michael Lübbersmann die in vielen Betrieben bereits deutlich spürbare Realität. Rund 180 Vertreter von Unternehmen, Schulen und Institutionen aus dem gesamten Landkreis folgten deshalb der Einladung ins Kreishaus.

Auch Fachvortrag und Fachforen hielten keine einfachen Antworten bereit. „Es gibt leider kein Patentrezept“, formulierte es Siegfried Averhage, Geschäftsleiter Fachbereich Wirtschaft & Arbeit des Landkreises. Es wurde jedoch deutlich: Die Gewinnung von Auszubildenden ist keineswegs Glückssache. Das altbewährte „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ reicht dazu allerdings nicht mehr aus. Referent Prof. Carsten Steinert von der Hochschule Osnabrück forderte die Unternehmen vielmehr auf, bei der Suche nach und der Ausbildung von künftigen Fachkräften die Bedürfnisse und Erwartungen der sogenannten „Generation Z“ zu berücksichtigen. Denn die ist aufgewachsen mit ethnischer Vielfalt, mit Eltern, die ihnen auf Augenhöhe begegnen und die sich die Verantwortung mit Kita und Schule teilen. Und sie hat Smartphone und Tablet schon im Kinderzimmer.

Die daraus abgeleiteten Strategien erläuterte Prof. Steinert den Teilnehmern der Tagung: „Machen Sie es den Bewerbern leicht, Informationen zu erhalten und mit Ihnen in Kontakt zu treten!“ Wer auf einer Homepage erst lange nach Ausbildungsangeboten suchen muss, wechsele schnell zu einer anderen. Und WhatsApp, Snapchat, Karriere-Events und Online-Bewerbung könnten Medien sein, um die Jugendlichen auf das eigene Unternehmen aufmerksam zu machen.

Praktika, die einen realistischen Einblick in das künftige Berufsfeld bieten, helfen Schülern, sich beruflich zu orientieren. Wertvolle Chancen bieten auch die Kooperationen mit Schulen, die von der Servicestelle Schule-Wirtschaft unterstützt werden. Doch die Unternehmen sollten auch die Eltern ansprechen. Denn ihr Rat ist für die „Generation Z“ deutlich wichtiger als noch für die „Babyboomer“ und die Generationen nach ihnen. „Rund 75 Prozent der Personalverantwortlichen wissen um die Bedeutung der Familie. Aber keine 40 Prozent nehmen das auf“, mahnte der Referent.

Nachholbedarf gibt es auch bei den Informationen zu beruflichen Perspektiven, Möglichkeiten der Weiterbildung und Ähnlichem. Die Ausbildung selbst sollte spannend und abwechslungsreich gestaltet und auch so dargestellt werden – etwa durch Projektarbeit, Planspiele oder begleitende soziale Projekte. Das eigene Unternehmen ist zu klein, um derartige Angebote zu realisieren? „Bilden Sie Kooperationen mit anderen KMUs“, riet Steinert und machte zugleich deutlich: „Eine Übernahmegarantie nach der Ausbildung reicht heute nicht mehr aus.“

Vor allem aber sollten Unternehmen niemanden von vornherein ausschließen – auch nicht jene Jugendlichen, deren Biografien nicht ganz „rund“ sind: „Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Fachkraft werden kann“, betonte Siegfried Averhage unmissverständlich. Die dafür entwickelten Unterstützungsangebote bildeten ein Thema bei den anschließenden Fachforen, die für die Teilnehmer die Fachtagung abrundeten. 

Text: K. Lübbersmann